Projekt Wegweiser

Das Projekt Wegweiser setzt sich für Sinnfindung und Selbstverwirklichung junger Menschen ein. Es fördert eine direkte Auseinandersetzung mit elementaren lebensphilosophischen Themen wie zum Beispiel Sinn, Glück, Achtsamkeit und Verantwortung und begünstigt damit die Idee einer ganzheitlichen Bildung an Schulen.

Darüber hinaus ist es ein Ziel des Projekts, das Bewusstsein junger Menschen mehr zum bedachten Umgang mit sich selbst und der Umwelt zu führen. Als Grundlage zur Umsetzung dient ein von Lukas Kiemele entwickeltes kostenloses philosophisches Magazin, das an Schüler*innen, Lehrer*innen und andere interessierte Personen weitergereicht wird. Ein Auszug des Magazins ist hier abrufbar.

Die Absicht der im Magazin dargestellten Inhalte ist es Schüler*innen dabei zu helfen, herauszufinden, wer sie sind, was ihre Fähigkeiten sind und wie sie mit ihren Fähigkeiten und Talenten in der Lage sind, etwas in der Welt zu bewegen.

Projekt Wegweiser ist offizieller youpaN-Partner und wird unterstützt von der Stiftung Bildung. 

Projekt Wegweiser wird gefördert vom youpaN und der Stiftung Bildung

Beschreibung: Wie funktioniert das Projekt Wegweiser?

a. Der Startpunkt des Projekts besteht aus einer Befragung zum Thema ›Sinn‹ mit Schüler*innen im Alter von 14-20 Jahren an Gymnasien in Baden-Württemberg und Bayern. Die Befragung zielte darauf ab, bestehende Forschungsergebnisse zu replizieren und damit mehr Aufmerksamkeit auf das Sinnthema zu lenken. Die Ergebnisse vorangegangener Befragungen deuten darauf hin, dass ein erheblicher Anteil Jugendlicher von empfundener Sinnverlorenheit und Sinnindifferenz berichten.

Sinnverlorenheit empfinden Personen, die ihrem Leben keine geschätzte Bedeutung und keinen Sinn abgewinnen können, weshalb sie teils aktiv nach etwas suchen, das ihrem Leben Sinn oder Zweck geben wird. Oftmals fühlen sie eine tiefe innere Leere und den damit in Verbindung stehenden Drang, diese auszufüllen. Diese innere Leere stellt gewöhnlich einen großen Leidensdruck dar.

Sinnindifferenz beschreibt die Einstellung von Personen, die ihr Leben ohne eine geschätzte Bedeutung und einen Sinn erleben und seine potenzielle Bedeutung oder eine Suche nach Sinn auch nicht aktiv erforschen. Insgesamt finden sinnindifferente Personen die Idee, über ihr Leben nachzudenken, überhaupt nicht wichtig, selbst wenn sie mit Leid oder Krankheit konfrontiert werden.

Neben dem Verlust der Bedeutung eines Sinns im Leben, steht auch der Werteverlust. Personen, die einer der beiden Kategorien zugewiesen werden können, besitzen im Allgemeinen häufiger ein vermindertes Wohlempfinden [1].

Was hat die Wegweiser-Befragung untersucht?

Die Motivation der Befragung fasst sich damit zusammen, dass insbesondere junge Menschen unter der Last höherer Anforderungen in der Berufswahl und der Lebensgestaltung sowie der Vielzahl immer weiter ansteigender Freiheitsgrade moderner Gesellschaften häufig an Orientierungslosigkeit, Sinnentbehrung und Ziellosigkeit leiden.

Die Befragung zielte darauf ab bestehende Forschungsergebnisse zu replizieren. Die Grundlage zur Orientierung bilden folgende Ergebnisse: Eine repräsentative Erhebung mit über 8000 deutschsprachigen Teilnehmer*innen zeigt, dass Sinnkrisen im Alter von 16-29 mit 27% am häufigsten ausgeprägt sind. Für die Häufigkeit der Ausprägung von Sinnindifferenz zeigt eine Erhebung aus dem Jahr 2006 unter Jugendlichen eine Häufigkeit von ca. 50%, neuere Erhebungen liegen bei ca. 20% [2].

In der Wegweiser-Befragung wurde die Hypothese aufgestellt, dass ähnliche Ausprägungen der Häufigkeit von Sinnindifferenz zwischen 40-50% und Sinnverlorenheit zwischen 15-20% zu erwarten sind und die bekannten Zusammenhänge dieser Kategorien mit erhöhtem Stress, Orientierungslosigkeit und vermindertem subjektiven Wohlbefinden nachgewiesen werden können.

b. Ausgehend von den Ergebnissen der Befragung wurden Rückschlüsse darauf gezogen, welche Themen besondere Wichtigkeit für Schüler*innen haben könnten, die letztlich in die Erarbeitung des philosophischen Magazins eingeflossen sind. Dieses liefert eine Einführung in die Themenblöcke Glück und Erfolg, Verantwortung und Freiheit, Sinn und Leid, Zeit und Tod, Zielfindung und Zielerreichung, Liebe und Beziehung.

c. Im zweiten Teil des Projekts wurde ein philosophisches Magazin entworfen und ausgearbeitet, das an Schulen verteilt werden soll.

1. Erster Teil: Wegweiser-Befragung

Für das Projekt Wegweiser wurden Schüler*innen der Klassenstufen 9-13 aus Schulen in Baden-Württemberg und Bayern befragt. Die Befragung hatte den Zweck, Daten über das allgemeine Wohlbefinden und insbesondere über die jeweiligen Einstellungen zu erheben, die die befragten Personen zum Sinnthema haben.

An der Befragung haben 244 Schüler*innen zwischen 14 und 20 Jahren mit einem Durchschnittsalter von knapp 17 Jahren teilgenommen. Die Verteilung der biologischen Geschlechtszugehörigkeit setzt sich aus 39,3% männlichen, 59% weiblichen und 0,8% diversen befragten Personen zusammen (0,8% fehlend). Die Anzahl gläubiger und nicht-gläubiger Personen ist beinahe identisch.

Das zentrale Testinstrument der Befragung ist der Meaning in Life Questionnaire (MLQ), entwickelt von Michael Steger et al. [3]. Dieses Instrument wurde herangezogen, um die Ausprägungen in den Kategorien der Sinnverlorenheit, Sinnindifferenz, Sinnsuche und Sinnerfüllung zu messen.

Das MLQ ist ein validiertes und höchst reliables Testverfahren zur Bestimmung einerseits einer Empfindung der Präsenz und andererseits einer Suche nach Sinnhaftigkeit im Leben und wurde bereits häufig in anderen Studien eingesetzt [4].

Die statistische Auswertung der gültigen Antworten (n = 232) ergab die Zusammensetzung 47,8% ›Sinnindifferent‹, 16,4% ›Sinnverloren‹, 5,6% ›Sinnsuchend‹, und 30,2% ›Sinnerfüllt‹.

Eine detaillierte Erklärung der Befragung und ihrer Hintergründe sowie eine vollständige Darstellung der Ergebnisse sind hier einsehbar.

2. Partner, Stifter und weitere Ziel

Das Projekt Wegweiser wurde von der Stiftung Bildung und dem youpaN gefördert. Mit dem youpaN ist das Jugendforum gemeint, in dem sich junge Menschen an der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) beteiligen.

Das Projekt Wegweiser hat das Thema Nachhaltigkeit als Grundstein und beabsichtigt, Nachhaltigkeit als theoretisches Konstrukt wie auch als gelebte Praxis in verschiedenen Formen umzusetzen. Ausgangspunkt ist hierfür folgende Überzeugung: Wir müssen verstehen, dass Nachhaltigkeit im Bewusstsein der Menschen beginnt und deshalb bereits früh im Schulalltag durch die Anregung und kritische Auseinandersetzung mit zentralen Ideen und Modellen aus diesem Bereich gefördert werden muss.

3. Zweiter Teil: Philosophisches Magazin

Das kostenlose philosophische Magazin, das im Rahmen des Projekts Wegweiser entwickelt wurde, befasst sich im Wesentlichen mit sechs Themenblöcken, die einem strukturgleichen Aufbau angepasst wurden.

Das Magazin ist kostenlos für Interessierte gegen Übernahme der Versandkosten erhältlich.

Jedes der sechs Themen ist einem Kapitel zugewiesen, das aus einer Einführung, einer ersten Frage-Etappe, einer zweiten Frage-Etappe, einer Zusammenfassung und dazwischenliegenden inhaltlichen Textteilen besteht. Folgende sechs Themenblöcke sind im Magazin enthalten: Glück und Erfolg, Verantwortung und Freiheit, Sinn und Leid, Zeit und Tod, Zielfindung und Zielerreichung, Liebe und Beziehung.

Die einzelnen Kapitel konzentrieren sich inhaltlich meist auf einen enger gefassten theoretischen Hintergrund, der schülergerecht formuliert, dargestellt und vermittelt wird. Die Themenbereiche werden basierend auf zentralen Fragen behandelt und beruhen meist auf der Darstellung einer exemplarischen Position, die zum eigenen kritischen Nachdenken anregen soll.

So werden bspw. im ersten Kapitel die aristotelische Konzeption des Glücks samt dazugehöriger Bestandteile wie der Tugend- und Mesotes-Lehre behandelt und im dritten Kapitel die sinn- und wertezentrierte Anthropologie Viktor Frankls.

Dabei muss unbedingt erwähnt werden, dass die Inhalte des philosophischen Magazins keinen belehrenden und autoritären, sondern bloß einen informativen Charakter innehaben. Sie dienen als Denk- und Diskussionsanregungen.

Die sechs Kapitel werden von einer allgemeinen Einleitung ins Magazin, einer Zusammenfassung und Vorstellung des Projekts sowie einem Interview mit dem youpaN-Mitglied Clara Yiting Lauer zum Thema Nachhaltigkeit, Bildung und Visionen bezüglich des Schulsystems umschlossen. Insgesamt hat das Magazin 68 DIN-A4 Seiten.

4. Vorträge, Workshops und Kontakte

Das philosophische Magazin wurde mit einer Erstauflage von 3000 Exemplaren gefördert. Die Magazine sind kostenlos und werden an Schulen verteilt. Besonders wichtig ist die Weitergabe und Vorstellung des gesamten Projekts auf Vorträgen und Workshops.

Schulen, die sich für das Projekt Wegweiser begeistern und daran teilhaben wollen, können zu den Projektleitern unter folgender E-Mail Kontakt aufnehmen: info[at]narabo.de


Quellen und Verweise

[1] Für den negativen Effekt des Empfindens bzw. Nichtempfindens von Sinnhaftigkeit auf physisches und psychisches Wohlbefinden siehe: Crumbaugh, J.; Maholick, L.: An experimental study in existentialism: The psychometric approach to Frankl’s concept of noogenic neurosis, in: Journal of Clinical Psychology, Vol. 20, Nr. 2, 1964, S. 200-207 und Zika, S.; Chamberlain, K.: On the relation between meaning in life and psychological well-being, in: British Journal of Psychology, Vol. 83, 1992, S. 133-145.

[2] Vgl.: Schnell, Tatjana: Psychologie des Lebenssinns. Berlin: Springer, 2. Auflage, 2020, S. 120; 134.

[3] Siehe: Steger, M. et al.: The Meaning in Life Questionnaire: Assessing the Presence of and Search for Meaning in Life, in: Journal of Counseling Psychology, 2006, Vol. 53, Nr. 1, S. 80-93.

[4] Siehe: Steger, M.; Shin, J.: The Relevance of the Meaning in Life Questionnaire to Therapeutic Practice: A Look at the Initial Evidence, in: The International Forum for Logotherapy, Vol. 33, 2010, S. 95-104.

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