Klimakrise - Warum das einzelne Verhalten zählt

Die Klimakrise ist ein globales Problem, das zahlreiche Ursachen hat. Kohlekraftwerke, die Industrie und die Verringerung der Aufnahme-Kapazitäten für Treibhausgase durch die Vermüllung der Ozeane und Rodung der Regenwälder tragen in erster Linie dazu bei.

Sie tragen sogar so sehr zur Klimakrise bei, dass viele Menschen ihre eigenen privaten ›Klimasünden‹ damit kleinreden, dass diese im Vergleich keine große Wirkung haben. Warum dieses Denken falsch ist, werde ich im Folgenden beleuchten.

INHALTÜBERBLICK
  1. Klimakrise – Der Einfluss des Einzelnen
  2. Dein Verhalten hinterlässt Spuren
  3. Unser Lebensstandard ist nicht haltbar
  4. #Nomorepillepalle
  1. Die Ins-Freibad-Pinkeln-Logik
  2. Beispiele zu Einflüssen des Individuums
  3. Zwei Argumente gegen Luxus
  4. Warum Verhaltensänderung notwendig ist

Klimakrise – Der Einfluss des Einzelnen

Warum auch der Einzelne sehr darum bemüht sein sollte, sein Verhalten so zu verändern, dass es nicht noch mehr zur Klimakrise beiträgt, leuchtet den meisten Menschen nicht ein.

Auch wenn sie diese Haltung meist aus Gewohnheit und Bequemlichkeit heraus vertreten, hört man immer wieder folgende Begründung, um nichts am eigenen Verhalten ändern zu müssen: ›Ob ich etwas verändere ist doch egal, solange alle anderen es auch noch tun oder solange die Kohlekraftwerke noch laufen oder …‹

Wenn Menschen sagen, sie sehen es einfach nicht ein, mit ihrem individuellen Handeln dazu beizutragen, der Klimakrise entgegenzuwirken, weil es nichts bringe, wenn es nicht alle tun, dann ist das so, als würden sie sagen: Ich pinkel nur dann nicht ins Freibad, wenn alle anderen es auch nicht tun. Dabei übersehen sie natürlich, dass dies niemals dazu führen wird, in urinfreiem Wasser schwimmen zu können, denn:

Man kann nichts von anderen fordern, was man selbst nicht bereit ist zu tun.

Was der Einzelne tatsächlich für die Klimakrise durch seine alltägliche Praxis beiträgt, ist erstaunlich. Die vielen einzelnen Handlungen summiert entscheiden letzten Endes darüber, ob Plastik, Fliegen, Rauchen, Autofahren, Fleischkonsum und so weiter einen Einfluss auf das Weltklima haben, oder eben nicht.

Wenn ein Einzelner ins Schwimmbad pinkelt, wird daraus zum Glück noch keine Kloake. Aber es markiert einen allgemeinen Regelbruch, von anderen etwas zu verlangen, was man selbst nicht einhält.

Dies ist einer der Gründe, warum der Einzelne sein Verhalten zugunsten des Klimaschutzes ändern muss. Den Einfluss des Individuums können wir leicht anhand einiger Beispiele demonstrieren.

Dein Verhalten hinterlässt Spuren

Ein Flug von Frankfurt nach Sydney verursacht knapp 2000 € Klimaschäden durch Emissionen [1]. In vielen Fällen, besonders bei sehr kurzen und bei sehr langen Flugstrecken, werden oft Klimaschäden in dreifacher Höhe des Flugpreises verursacht. Wenn man bedenkt, dass in den letzten 30 Tagen (10. Juni bis 10. Juli) zwischen 186.376 und 224.508 Flüge pro Tag stattgefunden haben, ist das ziemlich schockierend [2].

Etwa 10 % der deutschen Treibhausgasemissionen stammen aus dem Flugverkehr. Mehr als die Hälfte der Flüge sind Urlaubsflüge [1].

Zwei Rindersteaks pro Woche verursachen auf ein Jahr summiert über 800 € Klimaschäden und unterstützen ein beträchtliches Maß an Tierleid, das mit keiner Geldsumme aufgewogen werden kann. Das ist in Bezug auf die Klimaschäden vergleichbar mit den Emissionen, die ein Kenianer in einem ganzen Jahr produziert und sogar sieben Mal so hoch wie die jährlichen Emissionen eines Einwohners der Demokratischen Republik Kongo [1, 3].

Knapp 17% der Treibhausgasemissionen sind bedingt durch den Fleischkonsum. [1]

Setzt man die durch den Straßenverkehr erzeugten jährlichen Umweltkosten in Höhe von über 50 Milliarden Euro ins Verhältnis zur Anzahl des deutschen Fahrzeugbestands, dann fällt im Schnitt pro Auto circa 800 € Umweltschaden allein durch Emissionen an [4, 5]. Hinzu kommen natürlich noch die im Lebenszyklus anfallenden Kosten durch Produktion und Verschrottung, die ich hier auslasse.

Auch der Plastikverbrauch hat einen erheblichen Einfluss auf das Klima. Zum einen entstehen Treibhausgase durch den sehr langsamen Zerfall von Plastik. Zum anderen zerstört Plastik die Vitalität der Ozeane und Wälder, welche die größten Kapazitäten haben, Emissionen aufzunehmen und damit das Klima zu regulieren.

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Plastik in Deutschland stieg zwischen 2005 und 2015 um 29 Prozent – das sind in Summe 37 kg Plastik pro Jahr, wovon leider nur knapp die Hälfte recycelt wird [6]. Der Konsum ist eine der mächtigsten Waffen des Individuums, sich gegen derzeitige Verhältnisse zu wehren.

Konsum ist eine Waffe

Die meisten Menschen haben leider keine Vorstellung davon, was sie mit ihrem Konsum eigentlich anrichten. Was unterstütze ich, wenn ich Fleisch kaufe? Was unterstütze ich, wenn ich Produkte mit Palmöl oder Soja kaufe? Die einfachsten Prinzipien der Marktwirtschaft offenbaren uns die Macht der Nachfrage. Indem sich die Nachfrage reduziert, passt sich über einige Umwege das Angebot an.

Unterstützt der einzelne Konsument vollkommen unbedacht weiterhin Konzerne, die maßgeblich zur Klimakrise beitragen, indem sie etwa Regenwald roden und Schadstoffe in die Natur bringen, dann wird sich auch auf dieser Ebene nichts ändern, obwohl es so einfach ist.

Kaufverhalten ist eine wichtige Waffe, um Gesellschaft zu gestalten.

Unser Lebensstandard ist nicht haltbar

Ein weiterer Grund dafür, warum es auch am Einzelnen liegt, sein Verhalten zugunsten der Eindämmung der Klimakrise zu verändern, ist Folgender: Wir können unseren Lebensstandard in der Zukunft nicht auf die Art und Weise fortführen wie es bislang der Fall ist.

Warum wir das nicht können, wird zum Teil moralisch, zum Teil rein pragmatisch begründet. Der moralische Teil besteht darin, dass unser Lebensstandard im Wesentlichen nur deshalb möglich ist, weil wir Menschen, Tiere und die Natur ausbeuten. Eine gerechte Güterverteilung findet nicht statt, denn die Industrieländer nehmen für sich weit mehr in Anspruch als es gerecht wäre.

Billige Arbeitskräfte in weniger reichen Ländern, massive Naturschädigungen und Tiermissbrauch machen es derzeit möglich, dass der durchschnittliche deutsche Mann und die durchschnittliche deutsche Frau es für ihr Recht halten, ein eigenes Auto zu besitzen, täglich Fleisch zu essen, exotisches Obst kaufen zu können und so weiter und so fort.

#Nomorepillepalle

Zudem ist der negative Einfluss unseres durchschnittlichen Lebensstandards bzw. des Lebensstandards in Industrieländern überhaupt aus dem einfachen pragmatischen Grund nicht haltbar: Es ist im Endeffekt zu teuer. Die Klimakrise verursacht bereits jetzt solche gewaltigen Schäden zum Beispiel in der Landwirtschaft oder allein durch Naturkatastrophen, dass es langfristig gesehen undenkbar ist, den derzeitigen Kurs noch länger zu fahren.

Seit langer Zeit sind selbst in Deutschland die Schäden für Wälder, Ernte, Böden, Biodiversität und Wasser bekannt, die von Faktoren bedingt werden, die ebenfalls die Klimakrise begünstigen. Ändern wir nichts an unserem Kurs, werden die Folgen in den nächsten Jahren nur noch schlimmer [7, 8].

Prof. Dr. Volker Quaschning, der als Experte für regenerative Energiesysteme bereits seit vielen Jahren dafür kämpft, die Politik und Gesellschaft in Sachen Klimawandel vernünftig zu stimmen, betont mit Nachdruck, es sei angesichts einer seit Jahren paralysierten politischen Situation nicht länger denkbar, dem Klimawandel ohne Verhaltensänderung zu begegnen. Technik allein kann nicht mehr die Lösung sein:

Der Klimawandel bedeutet auch: Wir brauchen Verhaltensänderung. […] Bis vor einigen Jahren sagte ich auch noch: Wir müssen den Leuten die Technik andrehen – Ne, mittlerweile ist so viel Zeit vergangen, dass wir es ohne Verhaltensänderung nicht hinkriegen. [1, 01:13]

Die deutsche Politik hat in den letzten 30 Jahren einen solchen Fehlkurs gefahren, dass es nun nicht mehr möglich ist, die notwendigen Veränderungen zum Klimaschutz ohne eine radikale Haltung zu vollziehen. Uns bleibt die Zeit aus – jeder Einzelne muss Verantwortung übernehmen.


Quellen und Verweise

[1] Prof. Dr. Volker Quaschning | HTW Berlin – Klimaschutz in der Sackgasse. Link zum Video.

[2] FlightRadar24 – Statistics: Number of flights tracked per day (10.06 – 10.07). Daten abgerufen am 11.07.19.

[3] UN Statistics Division: Millennium Development Goals Database.

[4] Umweltbundesamt – Indikator: Umweltkosten von Energie und Straßenverkehr, 2017.

[5] Kraftfahrt-Bundesamt – Jahresbilanz des Fahrzeugbestandes am 1. Januar 2019.

[6] FAZ – Max Mustermann verbraucht 37 Kilo Plastik pro Jahr, 2017.

[7] BPB – Waldschäden nach Bundesländern, 2009.

[8] Euractiv – Studie belegt alarmierende Umweltschäden durch konventionelle Landwirtschaft, 2015.